544 Prüfungsarbeit (Beschaffenheit)
Nr. 3 Lesbarkeit
Eine schriftliche Prüfungsarbeit muß bei zumutbarer Anstrengung lesbar sein. Ist dies der Fall, darf sich die Schrift nicht auf die Bewertung der Arbeit auswirken.
BVerwG, Beschluß vom 19.08.1975, VII B 24.75
SPE a.F. S. III E I/51

Aus den Gründen

Die Klägerin bestand am 12.03.1971 die zweite juristische Staatsprüfung mit “voll befriedigend (2,68)“. Die im ersten Rechtszuge erfolgreiche Klage gegen die Prüfungsbewertung hat das Berufungsgericht abgewiesen.
Die Beschwerde der Klägerin gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des Berufungsgerichts ist unbegründet. Die Rechtssache hat nicht die mit der Beschwerde allein geltend gemachte grundsätzliche Bedeutung im Sinne des § 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO.
Das Berufungsgericht ging bei der Frage, in welchem Umfang Prüfungsentscheidungen inhaltlich durch die Gerichte nachzuprüfen sind, von der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts aus ...
Schließlich ergibt sich auch aus dem Beschwerdevorbringen zur Lesbarkeit der Handschrift des Prüfungskandidaten keine klärungsbedürftige Rechtsfrage grundsätzlicher Art. Mit Recht waren beide Vorinstanzen der Auffassung, es gehöre in den Verantwortungsbereich des Kandidaten, so zu schreiben, daß seine Arbeit für einen Dritten bei zumutbarer Anstrengung auch lesbar ist. Dies ist selbstverständlich und bedarf keiner Entscheidung in einem Revisionsverfahren. Selbstverständlich ist auch, daß sich bei einer lesbaren Arbeit die Schrift des Prüflings nicht auf die Bewertung der Prüfungsarbeit auswirken darf. Daß es auch auf diesen — in der Beschwerde angesprochenen — Gesichtspunkt im Falle der Klägerin in einem Revisionsverfahren ankommen könnte, ist angesichts der diesbezüglichen Begründungen der Urteile der Vorinstanzen überdies nicht anzunehmen ...
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